Frau ist wenig am Gartenwerk, zugegeben. Es ist mir zu heiß. Bei über 30 Grad ziehe ich mich ins Haus zurück, das durch striktes Lüftmanagement angenehm temperiert ist.
Aber wie geht es dem Garten bei dieser Hitze ohne Regen? Erstaunlich gut!
| Eine Rispe Paradeiser |
Ein Blick in gepflegte, "ordentliche" Gärten zeigt bräunelnden Rasen - meine Wiese ist grün. Weil nicht gemäht wird, sie darf vor sich hinwachsen. Im August ist die Wuchsfreudigkeit sowieso schon etwas erlahmt. Vorteil neben der Arbeitsersparnis: So sehe ich wenigstens die Wühlmausgänge und -hügel nicht auf den ersten Blick.
Und wenn ich sie sehe, schau ich schnell wo anders hin. Zum Beispiel auf den Kohlweißling, der auf einer Verbene gelandet ist.
Nur eines mache ich permanent: Ich sorge für gesunden Boden. Darüber werde ich ein anderes Mal berichten. Jetzt folgen Sie mir bitte auf meinem Spaziergang durch den Garten.
Schmetterling auf Verbena bonariensis
Schon am mittleren Nachmittag wirft die Blutpflaume mit ihren roten Blättern Schatten auf Wiese und Beete, was mich in diesem Sommer, in dem sich die Folgen des sogenannten Klimawandels katastrophal zeigen, hoch erfreut.
Die alten Tellerhortensien auf der linken Seite sind abgeblüht. Das Verblühte wegschneiden? Warum? Es bietet den sich entwickelnden Knospen für nächstes Jahr Schatten. Das "Unkraut", das darunter statt Gras wächst eliminieren? Bin froh, dass es den Boden bedeckt.
| Rund um die Wiese stehen Sträucher und Bäume |
Im neu angelegten Gartenteil, dort, wo ein großer Baum den Wühlmäusen in Kooperation mit Windböen zum Opfer gefallen ist, lasse ich auch alles stehen, was aus dem Boden sprießt. Das ist übrigens das einzige Beet außerhalb des Gemäsegartens, in dem ich gieße. Aber nur den neu gesetzten Baum und die ebenfalls neuen Sträucher, solange die Hitze tobt.
| Krone des Weißdorns |
Ich habe ausnahmslos heimische Gewächse gepflanzt: Einen eingriffliger Weißdorn, zwei Cornus Mas (Dirndl), eine Felsenbirne. Alle wachsen prächtig an und werden ca alle 3 bis 4 Tage gewässert. Durchdringend. Dafür lege ich den Schlauch, der an meinen Brunnen angeschlossen ist, in den Gießrand, stelle auf den kleinst möglichen, weichen Strahl und lasse lange, sehr lange, das Wasser laufen. Trotz der widrigen Bedingungen gedeiht alles.
| Frucht am Cornus mas (Dirndl) |
Die neu eingesetzten Stauden, die ich vor allem nach dem Nutzen für die Tierwelt ausgesucht habe, wurden nur in den allerersten Wochen gegossen. Jetzt ist die Beobachtungsphase. Was kommt mit den gebotenen Bedingungen zurecht, was schmeckt den Wühlmäusen u/o den Schnecken? Was sät sich wo aus? Die Pflanzen richten es sich schon so, wie es ihnen passt!
| Monarda und Verbena bonariensis vor dem Steinhaufen |
Auch hier greife ich kaum jätend ein. Alles, was den Boden bedeckt, was Schatten spendet, ist förderlich. Selbst die wild um sich schlagenden neuen Triebe des aus dem umgegrabenen Boden wie Phönix aus der Asche auferstandenen Ramblers "Bobby James" dürfen stehen bleiben und Schatten spenden. Möglicherweise wird mir das nächstes Jahr leid tun, denn Bobby ist unbändig und verdrängt wahrscheinlich einiges.
Wuchernderndes Blattgemüse mit Kapuzinerl
Schauen wir weiter zum Gemüsegarten, was ein hochtrabendes Wort für meine paar Gemüsebeete ist. Auch dort darf's wuchern. Sollte aus dem bunten Wirrwarr nackte Erde rausschauen, wird wieder gemulcht, gemulcht, gemulcht. Das ausgezupfte, sich nicht aussäende Beikraut wird sofort an Ort und Stelle liegen gelassen, so Rasenschnitt angefallen ist, wird er getrocknet und dann auf den Beeten ausgebracht. Wenn nichts aus dem Garten mehr zur Verfügung steht, kommt Pflanzenfaser zum Einsatz. Am Rande erwähnt: das Beet wird nie gegossen.
Und was machen die Gurken, die angeblich täglich so viel Wasser brauchen?
| Gurken an einem Estrichgitter Ende Juli mit vielen Blüten |
Jahr für Jahr pflanze ich vier Gurkenpflanzen. Diesmal zwar nicht selbst gezogen, aber von sehr kleinauf verhätschelt. Warum vier? Mitte Juli kommt ein Schwung Kinder ins Haus und da sollen genug "Kindergurken", die im Handel unter Snackgurken laufen, vorhanden sein. Sie waren es und die Pflanze produzierte eifrig nach.
Die gleiche Pflanze Mitte August mit großer Frucht
Dieses Jahr wurden prompt über Nacht die ersten 3 Pflanzen Opfer der Schnecken, obwohl ich sie mit Schneckenkrägen geschützt hatte. Also nachpflanzen. Wieder an einer Olla, die gerade für Gurken, die gleichmäßige Feuchtigkeitsversorgung lieben, sehr empfehlenswert ist. Ollas sind Tongefäße, die in die Erde versenkt und, mit Wasser gefüllt, nach Bedarf die Pflanze versorgen und die ich nur alle 5 Tage nachfüllen muss.
Gurken, die durch das und entlang des Gitter/s wachsen
Inzwischen ist es Mitte August, die Gurkenschwemme hat eingesetzt und das Kinderrudel ist massiv geschrumpft. Da ich mich bereits an Tsatsiki und jeder Art Gurkensalat abgegessen habe, es mir aber noch zu heiß zum Einmachen ist, steht Gazpacho am morgigen Speiseplan. Ich werde berichten.
| Zwischen gesundem Paradeislaub eine reife und eine teils grüne Frucht |
Paradeiser, auch Tomaten genannt, gedeihen dieses Jahr wie noch nie. Sie bekommen so alle drei, vier Tage in aller Früh eine große Ladung Wasser in den tiefen Blumentopf, den ich neben die Jungpflanze eingegraben habe. Nicht öfter, nicht oberflächlich. Sie sollen sich aus der Tiefe das Wasser holen.
| Eine Rispe längliche Paradeiser |
Heuer habe ich außer kleinen Balkontomaten, die beim Vorbeigehen genascht werden, die länglichen San Marzano und wieder die Sorte "Kremser Perle" gepflanzt. Weil letztere relativ regentolerant ist. Haha. Wäre schön, käme endlich Regen. Aber den wärmeliebenden Paradeisern und Gurken gefällt's - mein schattiger Garten hat ihnen bei nicht so heißem Wetter endenwollend zugesagt.
Nun noch ein Bick auf die Kübelpflanzen. Auch die werden nicht täglich mit Wasser versorgt. Alle 2 bis 3 Tage, dann aber kräftig. Sehe ich abends oder in der Früh, dass eine der Pflanzen schwächelt, wird sie rasch gegossen. Übrigens blüht die Bougainvillea üppiger, wenn sie nicht dauerfeucht gehalten wird.
Efeu bewachsenes Haus, davor Gummibaum und Dickblatt (Crassula ovata)
Im Hof stehen sowohl die Zimmerpflanzen aus dem Wintergarten zur Sommerfische, als auch Saisonales. Umgeben von Efeu an Haus und Zaun. Da fliegen zwar die trockenen Blätter lustig in der Gegend herum, aber wenn sie mich stören, greife ich kurz zum Besen.
Im Hof schwirrt nicht nur der Kaisermantel gerne herum, auch andere Schmetterlinge, Wildbienen, Libellen und in der Nacht Fledermäuse. Sobald der Efeu im Späterbst blüht, nimmt das Gesumse kein Ende; da gehört der Hof vor allem den Bienen.
Ein Kaisermantel auf einem Gummibaumblatt
Einen besonders Bescheidenen führe ich auch noch vor: Ganzjährig steht der Szechuanpfeffer im Hof, bekommt dann und wann Wasser und im Winter wird sein Topf mit Schafwolle umwickelt. Er dankt es jährlich mit einer netten Ernte, die ich nicht wie all die anderen Beeren im Garten mit den Vogerln teilen muss.
Szechuanpfeffer mit kleinen Beeren vor dem Radlschuppen
Mit Gras und Beikraut in den Fugen werden die (hässlichen) Betonsteine aus grauer (sic!) Vorzeit entschärft, alles darf stehen bleiben, das sich ansiedelt. Auch in den Töpfen, in denen die Schnecken gewütet und die Dahlien aufgefressen haben. Natürlich wird auch in den Töpfen gemulcht.
| Kübelpflanzen um einen Sitzplatz |
So singe ich denn das Lied der Faulheit und jenes der Natur, der man nur zuschauen muss, um zu erkennen, was sinnvoll ist. Spätestens jetzt unter diesen extremen Wetterbedingungen, die sicher noch verschärft auftreten werden, muss man konventionelle Gartenkonzepte aufgeben und mit statt gegen die Natur gärtnern.
Und sich freuen und Kraft schöpfen. Gehaben Sie sich wohl und trinken Sie mehr, als es die Pflanzen tun. Wir Menschen brauchen es.
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