Freitag, 25. September 2026

RÜCK-ZUCK IN DIE KÜCHE ZU PARADEISERN, QUITTEN, CHILIS & CO

Frau war am Ernte- und Verarbeitungswerk. September ist's der Erntesegen erfordert küchliche Aktivitäten - und manchmal auch Spontaneität.

Eine Glasschüssel mit Paradeisern und Basilikum

Es begann mit den Paradeisern. Die hatten heuer endlich jenes Klima, das ihnen zusagt. Ohne Regenschutz Wind und Wetter ausgesetzt und mit einem Unterangebot an Sonnenlicht, hat sich in den vergangenen Jahren meist spätestens um diese Zeit die  Kraut- und Braunfäule ihrer bemächtigt. Heuer stehen jetzt, Ende September, nicht nur die robuste "Kremser Perle", sondern auch die kapriziöseren Sorten prachtvoll im Beet und sie produzieren permanent weiter.

Verschiedene Paradeissorten mit den o.a. Zutaten am Blech

Also habe ich 2 Kilo Paradeiser geerntet und daraus - leider nur 1 Liter - Paradeissauce fabriziert. Zum Einfrieren für bessere Tage.

Die oben gezeigten nach dem Garen

Habe die halbierten Früchte mit ein paar Zehen Knoblauch, ein paar Schalotten und etwas Basilikum aufs Backblech und ihnen eine kleine Ölmassage verpasst und anschließend bei 180 Grad im Backrohr ca. 1 Stunde gegart, gelegentlich umgerührt und mit Augenkontakt den Zeitpunkt erwischt, als die ersten Schalen zu bräuneln anfingen.

Caprese auf weißem Teller

Zur Belohnung für meinen Köchinnenfleiß hab ich mir mit ein paar roten Nachzüglern ein Caprese gegönnt.

Die gegarten Paradeiser in einem hohen Gefäß

Überkühlt wollte ich die Gegarten mit meinem genialen Pürierstab versoßen, aber er war hinterhältig und hat sich vom Messer verabschiedet. Also musste ich doch den abwaschtechnisch anspruchsvolleren Blender der Küchenmaschine bemühen. 

Ein viereckiges Behätnis mit Paradeispüree, dahinter Basilikumsalz

Die Menge reicht nicht wirklich zur umfassenden Selbstversorgung, aber 2 Halbliterdosen mit der köstlichsten Paradeissauce sind in den Tiefkühler gewandert und warten dort auf einen besonderen Anlass. Das vom restlichen geernteten Basilikum produzierte Gewürzssalz, das sich dezent im Hintergrund hält, wird rasch verschenkt und aufgebraucht.

Ein großes Sieb, mit Quitten gefüllt

Am nächsten Tag war das Brüllen der Quitten am entgleisten Baum nicht mehr zu überhören: "Pflück uns, sonst springen wir wie die Kolleginnen unkontrolliert ins Verderben!". Am Boden lagen schon unzählige Früchte, alle entweder angefressen oder mit braunen Flecken vom freien Fall oder, was mich gar nicht erfreute, Spuren von Monilia.

Teile eines Quittenbaums, der sich bis zum Boden neigt

Also hab ich den kränkelnden bis kranken am Boden liegenden Teil dem städtischen Kompost gespendet und die noch gesund wirkenden Exemplare aufgehoben und einige halbwegs reif scheinende gepflückt. Alle sehr praktisch auf Augenhöhe, wenn nicht sogar als Bückware angeboten. Der Baum hatte sich nämlich mit dem im Herbst umgefallenen Kollegen vergesellschaftet und hat sich nur stützelos trauernd zu Boden geneigt.

Auf dem Sieb mit Quitten ein Glasbehältnis mit roten Chilis

Zur Abwechslung habe ich noch nach den Chilis geschaut und selbige ebenfalls geerntet. Ein erquickliches Farbenspiel, der Blick zum noch üppig befruchteten Quittenbaum verhieß nachhaltige Beschäftigung in den nächsten Tagen bis Wochen.

Wurmstichige aufgeschnittene Quitten

Machte mich auf eine lange Vorbereitungszeit für Quittenmarmelade gefasst und war dann teils fassungslos, teils erleichtert. Die Arbeit wurde durch heftigen Wurmbesuch extrem verkürzt. Habe großzügig ausgeschnitten; Quittenmangel herrscht ja hier nicht wirklich und zumindest für den jährlichen Quittenkas wird's schon genug halbwegs gesunde Früchte geben.

Die zerschnipselten Quitten nach dem Garen

Was aber machen aus dem mageren Rest, der meine strenge Auswahl überstanden hat? Als erstes ab in den Kelomat, außerhalb Österreichs als Schnellkochtopf bekannt. Etwas Wasser rein, den Lochsieb auf das Drahtgestell und in Kürze war intensiv duftender Quittensaft in annehmbarem Ausmaß vorhanden. 

Die Mühe des nachträglichen Entfernens des Gehäuses und der darumherum gelagerten kleinen "Steinchen" habe ich mir nicht gemacht und nur den Saft verwendet. Dank des kalten Wetters wartet der armselige Rest am Speisfenster darauf, dass er zu Mus mutiert (wird).

Zwetschken in einem Sieb

Da sich meine gesamte Familie und mein Freund:innenkreis an Quittengelee ebenso abgegessen hat wie ich, wollte ich auf irgendeine Weise zu Marmeladenartigen kommen. Also habe ich das vorhandene Obst auf Quittenkompatibilität geprüft und ca ein Kilo Zwetschken (mit k, weil ich Österreicherin bin) und zwei Orangen haben sich als versuchswürdig gezeigt.

Kleingeschnittene Orangen, daneben Orangenzesten

Kleingeschnittene Zwetschken

Fünf Gläser Marmelade

Da das Resultat durchaus wohlschmeckend ist, hier die ungefähre Zusammenstellung:

1 Liter Quittensaft
1 kg Zwetschken
2 Orangen samt Zesten
1 Zimtstange
Saft 1 Zitrone
Insgesamt ca 2 kg vorbereitete Masse, daher 1 kg Gelierzucker 2:1
 
Ein kleiner Strutzen Weißbrot, daneben ein Butterbehälter

Da schon in der Küche tätig, habe ich auch die Brotback-Sommerpause beendet und das erste Herbstbrot mit Lievito madre gebacken. Darüber schreib ich ein anderes Mal, auch, warum das Brot eher suboptimal.. naja sagen wir halt "eher kompakt" geworden ist. Aber als  Unterlage für das, was ich liebevoll Abschaum nenne, hat's perfekt gepasst.

Angebissenes Marmeladebrot auf Holzbrett

Die Abwärme vom Brotbacken nutze ich für das Trocknen der Habaneros, die so scharf sind, dass die Interessent:innenschar nicht vorhanden ist. Also kommen sie getrocknet und dosierbar in eine Gewürzmühle. 

Geviertelte Chilis auf Backpapier im Ofen

Es wird munter weitergehen mit dem Einbringen und Verarbeiten der Ernte. Für mein emotionales Wohlergehen jenseits der Küche habe ich auch - blumig - gesorgt.

Ein Strauß aus einer Pelargonie und Herbstanemonen und Blättern

Herzlichen Dank, falls Sie mir bis hierher gefolgt sind! 

Genießen wir den Herbst, der so abrupt über uns hergefallen ist und als Wiedergutmachung mit seinen Farben und Früchten beglückt.

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