Montag, 26. November 2018

ÜBERM NEBELMEER

Frau war am Schimpfwerk über den grauen, kalten November. Im vollen Bewußtsein über die Vermessenheit, aber dieser Herbst hat uns alle so sehr mit Wärme und Sonne verwöhnt, da kann man leicht vergessen, dass man im mitteleuropäischen Voralpenland lebt, wo üblicher (und übler) Weise der ganze November kalt, grau und trist ist.


Da die Wetterprognosen übereinstimmend für heute den ersten Schnee bis in die Niederungen prognostiziert hatten, musste eine wanderbegeisterte Freundin ihre Überredungskünste nicht sonderlich bemühen, um mich zu einem Spaziergang zu bewegen. Nur wollte ich aus der Nebelsuppe raus, dank der Salzburg umringenden Berge eine relativ leicht zu bewältigende Aufgabe.


Also rauf auf den nahen Gaisberg, zum Rundwanderweg auf ca. 1000 m ü. N. N..  Ein wunderbares Angebot für Faule, die knapp fünfeinhalb Kilometer mit nur 129 m Steigung hinter sich bringen wollen und mit beeindruckenden Ausblicken belohnt werden, die sich selbst dann bieten, wenn die Stadt im Nebelmeer untergetaucht ist.


Obwohl die Sonne, die sich am frühen Vormittag sogar herunten in der Stadt hatte ahnen lassen, einen Rückzieher gemacht hatte, war durch die weiße luftige Decke in der Niederung für die ersehnte Helligkeit gesorgt.


Für mich, die beim Photographieren vor allem an Menschen interessiert ist, bietet so ein Spaziergang zwar diesbezüglich nicht unendlich viel, aber die Landschaft reizt ja trotzdem den Auslöserfinger. Nicht nur meinen.


Auch die Grafik der Blumengerippe und meist blattleeren Bäume hat durchaus ihren Reiz, so wie auch die letzten gelben Überbleibsel an den Lärchen.


Nicht zu reden von diesen kleinen Zeugnissen menschlichen Gestaltens. Die liebe ich besonders.


Unser Timing war perfekt. Zu Ende des Rundgangs kraxelte der Nebel langsam durch den Wald herauf.


Kurz zuvor hatte er zeitweise noch die eine oder andere Kuppe freigegeben, aber langsam und beständig waberte er in die höheren Regionen.


Wiedereinmal habe ich den festen Vorsatz gefasst, öfter raus in die nahe Natur zu starten und mich in selbiger zu tummeln. Aber nein, heute nicht. Draußen kann sich das Wetter nicht entscheiden, ob es nur weiter schneien oder doch regnen soll. Ist ja alles gut für die trockene Natur, aber meine Natur lechzt bei solchem Wetter nicht nach Spaziergängen oder gar Wanderungen.


Da ziehe ich mich lieber kaum maulend in meine Höhle zurück, dreh mir sanfte Musik auf, bearbeite Photos, backe Keks und - ganz wichtig! - zünd mir die eine oder andere Kerze an. Hat ja alles auch seinen Reiz, ich gebs ja zu.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Über konstruktive Kommentare, Fragen und Anregungen freue ich mich!